Welches Gerät passt zu Ihnen?
Die drei in dieser Kategorie angebotenen Systeme unterscheiden sich grundlegend in Messverfahren, Bedienkomplexität und Einsatzort. Die folgende Entscheidungshilfe zeigt, welches Gerät für welchen Anwendungsfall empfohlen wird.
Mesics Lactate Express – für Trainer, Vereine und mobile Diagnostik
Empfohlen für: Trainer, sportmedizinische Betreuer, Vereine, Leistungsdiagnostiker im Feld, ambitionierte Einzelsportler, die ihre Werte selbst erfassen und mit Schwellenwertmodellen auswerten möchten.
Handhabung: Das Gerät ist so einfach zu bedienen wie ein Blutzuckermessgerät. Teststreifen einlegen, Blutprobe aus Fingerbeere oder Ohrläppchen auftragen, Ergebnis nach 5–10 Sekunden ablesen. Kein Code-Chip, keine manuelle Kalibrierung, keine Probenvorbereitung. Der automatische Streifenauswurf verhindert Blutkontakt.
Unterschied zu den anderen Geräten: Als einziges Gerät bietet das Lactate Express eine vollständige Software-Umgebung – die kostenlose Lactate Express App (iOS/macOS) mit Schwellenwertmodellen nach Mader, Dickhuth und weiteren, automatischer Trainingsplan-Erstellung und PDF-Reporten. Daten werden per Bluetooth übertragen, Tippen entfällt. Die App ist in drei Stufen erhältlich: Athlete (gratis, 1 Person), Team (bis 25 Probanden), Professional (unlimitiert, kommerzielle Lizenz).
Grenzen: Nur Einzelmessungen möglich (keine Serienmessung). Probenmenge mit 0,8 µl etwas höher als beim Arkray. Kein Hämoglobin-Wert. App derzeit nur für iOS und macOS – Android wird nicht voll unterstützt.
Arkray Lactate Pro 2 – für etablierte Diagnostik ohne App-Anspruch
Empfohlen für: Sportmediziner, Physiologen, Pferde- und Veterinärmediziner, Einrichtungen die ein seit Jahrzehnten bewährtes, unverändert lieferbares System suchen. Auch für Anwender, die keine App-Anbindung benötigen und Werte klassisch dokumentieren oder in externe Software übertragen.
Handhabung: Ebenso einfach wie das Mesics – Teststreifen einlegen, Blutprobe auftragen, nach 15 Sekunden Ergebnis ablesen. Kein Code-Chip erforderlich (Auto-Kalibrierung). Das Gerät ist mit 50 × 100 × 12 mm besonders kompakt, läuft mit einer handelsüblichen CR2032-Knopfbatterie (für ca. 2.000 Messungen) und ist extrem robust für den Feldeinsatz.
Unterschied zu den anderen Geräten: Der Lactate Pro 2 misst ausschließlich Laktat – kein zweiter Parameter wie Glukose. Dafür benötigt er mit 0,3 µl die kleinste Blutmenge aller Geräte am Markt, was besonders bei empfindlichen Probanden oder Tieren von Vorteil ist. Es gibt keine App, keine Bluetooth-Verbindung; Daten werden manuell erfasst oder per Software übertragen. Drei verschiedene Benutzer-Codes ermöglichen die Trennung von Messungen verschiedener Personen im Gerät.
Grenzen: Nur ein Parameter (Laktat). Keine App-Integration, keine Bluetooth-Übertragung. Speicher mit 330 Werten kleiner als beim Mesics. Messbereich mit 0,5–25,0 mmol/l etwas enger als die Konkurrenz.
Diaglobal Miniphotometer DP 350 – ausschließlich für Labor und Praxis
Empfohlen für: Arztpraxen, Kliniken, Forschungseinrichtungen, sportmedizinische Labore, die mehrere Parameter aus einer Probe bestimmen müssen und Serienmessungen durchführen. Nicht geeignet für Laien, Trainer oder Einsteiger ohne Laborerfahrung.
Handhabung: Deutlich anspruchsvoller als bei den Teststreifen-Geräten. Der Ablauf: Blut abnehmen, in eine Mikrovette überführen, ggf. mit der Mini-Zentrifuge (DZ 002) plasmatisieren, Probe mit Ringmarken-Pipette (10 µl) in eine vorgefüllte Rundküvette pipettieren, verschließen, mischen, Leerwert messen, Reaktion starten, Endpunkt abwarten (2–6 Minuten), dann erst Ergebnis ablesen. Für einige Parameter ist zusätzlich ein Trockenblock-Heizgerät (DZ 003) erforderlich. Dieser Prozess setzt laborpraktische Fähigkeiten voraus – Pipettieren, Umgang mit Küvetten und Reagenzien, zeitliche Koordination von Mehrfachmessungen.
Unterschied zu den anderen Geräten: Der DP 350 ist kein Point-of-Care-Teststreifen-Gerät, sondern ein vollwertiges, photometrisches Laborgerät. Er misst die Lichtabsorption bei 520/546 nm nach enzymatischer Reaktion in der Küvette – nicht elektrochemisch auf einem Streifen. Dadurch ist er langsamer (Minuten statt Sekunden) und benötigt mehr Probe (10 µl statt 0,3–0,8 µl). Der entscheidende Vorteil: acht verschiedene Parameter aus einem Gerät (Laktat, Glukose, Hämoglobin in zwei Varianten, Hämatokrit, Erythrozyten, Bilirubin, Harnsäure) und die Möglichkeit, bis zu 20 Proben in Serie zu messen.
Grenzen: Nicht für den Feldeinsatz oder für Einsteiger geeignet. Erfordert Zubehör (Zentrifuge, Heizblock, Pipetten, Küvettenständer), das separat beschafft werden muss. Keine drahtlose Datenübertragung. Ergebnisse nicht in Sekunden verfügbar, sondern erst nach Minuten.
Laktatmessung – Die Basis fundierter Trainingssteuerung
In der modernen Leistungsdiagnostik ist die exakte Bestimmung metabolischer Parameter die Grundlage für jede fundierte Belastungssteuerung. Der Laktatwert im Blut gibt Aufschluss darüber, wie stark der anaerobe Stoffwechsel bei einer bestimmten Belastungsintensität beansprucht wird. Je höher der Laktatspiegel, desto größer der Anteil der anaeroben Energiebereitstellung.
Aerobe und anaerobe Schwelle
Die aerobe Schwelle (ca. 2 mmol/l Laktat) markiert den Bereich, ab dem der Laktatspiegel über den Ruhewert ansteigt. Die anaerobe Schwelle (ca. 4 mmol/l nach dem Mader-Modell) kennzeichnet den Punkt, ab dem die Laktatproduktion die Laktatelimination übersteigt und der Laktatspiegel exponentiell ansteigt. Diese Schwellen sind individuell verschieden und können nur durch einen Laktattest exakt bestimmt werden. Alternative Modelle wie das Dickhuth-Modell (+1,5 mmol/l) ergänzen die Analyse.
Trainingszonen gezielt nutzen
Aus den ermittelten Schwellen lassen sich individuelle Trainingszonen ableiten: Der Bereich der extensiven Grundlagenausdauer (GA1) liegt unterhalb der aeroben Schwelle, die intensive Grundlagenausdauer (GA2) zwischen aerober und anaerober Schwelle, und die Wettkampfspezifik oberhalb der anaeroben Schwelle. Ohne Laktatmessung bleibt die Trainingssteuerung in diesen Zonen ungenau – Puls- oder Geschwindigkeitswerte allein sind kein ausreichender Indikator für die tatsächliche metabolische Belastung.
Enzymatische vs. photometrische Methode
Alle drei in dieser Kategorie angebotenen Gerätesysteme arbeiten enzymbasiert: Der Teststreifen bzw. die Küvette enthält ein Enzym (Lactat-Oxidase), das mit dem Laktat in der Blutprobe reagiert. Während das Mesics Lactate Express und der Arkray Lactate Pro 2 das Reaktionsprodukt elektrochemisch messen (Biosensor-Technologie), nutzt der Diaglobal DP 350 eine photometrische Auswertung (Lichtabsorption bei 520/546 nm). Beide Methoden liefern zuverlässige Ergebnisse – der Unterschied liegt in Geschwindigkeit, Probenmenge und Parametervielfalt.
Laktat vs. Milchsäure
Im Volksmund wird oft von „Milchsäure“ gesprochen, wenn Laktat gemeint ist. Laktat ist das Anion der Milchsäure und entsteht als Endprodukt der anaeroben Glykolyse. Der Begriff „Milchsäure“ ist insofern irreführend, als der pH-Wert des Blutes durch Laktat nur in sehr hohen Konzentrationen relevant beeinflusst wird. Laktat ist zudem kein Abfallprodukt, sondern ein wichtiger Energielieferant, der von Herz, Leber und Muskeln weiterverstoffwechselt wird.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte ich Laktat messen?
Für die Bestimmung der individuellen Trainingszonen reicht ein Stufentest alle 6–12 Wochen, idealerweise zu Beginn einer neuen Trainingsperiode. Während der Saison können einzelne Kontrollmessungen bei bestimmten Intensitäten sinnvoll sein, um Veränderungen der Schwellen zu erfassen.
Was ist der Unterschied zwischen Laktat und Milchsäure?
Laktat ist das Salz der Milchsäure und entsteht im Rahmen der anaeroben Energiebereitstellung. Der Begriff „Milchsäure“ ist veraltet und wird in der modernen Sportwissenschaft nicht mehr verwendet. Laktat ist ein wichtiger Energielieferant, kein Abfallprodukt – es wird von Herz, Leber und der Skelettmuskulatur weiterverstoffwechselt.
Wie viel Blut benötigt man für eine Messung?
Moderne Teststreifen-Geräte benötigen nur sehr kleine Blutmengen: Das Mesics Lactate Express arbeitet mit 0,8 µl, der Arkray Lactate Pro 2 kommt mit 0,3 µl aus – der geringste Wert am Markt. Der Diaglobal DP 350 benötigt 10 µl, was über eine Pipette in die Küvette überführt wird.
Kann ich mit dem Gerät auch Glukose messen?
Ja – das Mesics Lactate Express und der Diaglobal DP 350 ermöglichen zusätzlich die Glukosebestimmung im Blut. Beim Lactate Express wechseln Sie einfach den Teststreifen; beim DP 350 wählen Sie das Glukose-Programm. Der Arkray Lactate Pro 2 ist ausschließlich für die Laktatmessung konzipiert.
Sind die Teststreifen zwischen den Geräten austauschbar?
Nein, jedes Gerät verwendet spezifische Teststreifen bzw. Küvetten, die nur mit dem jeweiligen System kompatibel sind. Die Teststreifen für das Mesics Lactate Express sind nicht mit dem Arkray Lactate Pro 2 kompatibel (und umgekehrt). Der Diaglobal DP 350 arbeitet mit Rundküvetten, die als separates Verbrauchsmaterial erhältlich sind.
Brauche ich für das Diaglobal DP 350 besondere Vorkenntnisse?
Ja. Der DP 350 ist ein Laborphotometer und kein Point-of-Care-Gerät. Die Probenmengen müssen pipettiert, ggf. zentrifugiert und in Küvetten gefüllt werden. Für den Betrieb werden zusätzlich Mini-Zentrifuge, Pipetten und Küvettenständer benötigt. Das Gerät ist nicht für Laien oder den mobilen Feldeinsatz geeignet, sondern für geschultes Laborpersonal in Praxis, Klinik oder Forschung.